Schwarze Wurzeln

Die Neuauflage der bahnbrechenden Forschungsarbeit von Historikerin Katharina Oguntoye gibt Aufschluss über die Lebensrealitäten Schwarzer Menschen in Deutschland von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik und das dritte Reich bis in die Nachkriegszeit. Anhand von amtlichen Dokumenten, Briefen sowie Zeitzeug*innenberichten beleuchtet Oguntoye ein wenig beachtetes Kapitel deutscher Geschichte.

Wer waren die Menschen, die überwiegend aus den damaligen deutschen Kolonien Kamerun, Togo, Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika nach Deutschland kamen, wieder gingen oder blieben. Die Anträge auf Einbürgerung stellten, die zum Teil bewilligt wurden, die heirateten und Familien gründeten. Wie verdienten sie ihren Lebensunterhalt? Wie reagierte ihr Umfeld auf sie, auf bi-ethnische Ehen? Welchen Einfluss hatten die wechselnden politischen Systeme und Ideologien auf ihren Alltag und ihren Rechtsstatus? Besondere Bedeutung kommt bei der Beantwortung dieser Fragen den Interviews mit Doris Reiprich und Erika Ngambi-Mpessa zu. Die Töchter des Mandenga Diek, der 1891 von Kamerun aus für eine Schusterlehre nach Hamburg zog und sich in Danzig als Handelsreisender niederließ, wo er eine Familie gründete und bis zu seinem Tod 1943 lebte. Die beiden afrodeutschen Frauen schöpfen im Interview aus ihren eigenen Erfahrungen als Schwarze Deutsche, aus denen ihrer Freunde und Bekannten sowie denen des Vaters. Ergänzt werden die Zeitzeuginnenberichte durch historische Dokumente, die trotz der schwierigen Quellenlage ein eindrückliches Bild der Lebenssituationen von Afrikaner*innen und Afro-Deutschen von 1984 bis 1950.

Oguntoye, Katharina
Orlanda Frauenverlag GmbH
ISBN/EAN: 9783944666624
18,00 € (inkl. MwSt.)